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Zeit für einen Wäschewechsel
Erschienen in SAMS-Themen (Informationen für Journalisten), Ausgabe 2 / August 2001
Berlin. Es ist Montagmorgen - Zeit, die Bettwäsche zu wechseln. Jeden Augenblick wird der Wagen der Firma Stegemann erwartet. Er holt schmutzige Laken und Bezüge ab und tauscht sie gegen frische. Mit dem „Good Night Service“, einem Bettwäsche-Leasing für private Haushalte, besitzt die alteingesessene Wäscherei seit zwei Jahren ein europaweites Patent. „Wir beliefern mittlerweile etwa 300 Kunden in Berlin und Umgebung - zusätzlich zu unseren Kunden aus Industrie und Gastronomie“, erzählt Susanne Grabert von Stegemann. Der Kunde sucht sich drei Garnituren aus, die gekennzeichnet werden, so dass eine Verwechslung praktisch ausgeschlossen ist. Jeder Haushalt wird immer mit seinen eigenen Laken beliefert. Die schmutzige Wäsche wird abgeholt, gewaschen, gebügelt und schrankfertig zusammengelegt wieder frei Haus geliefert. Bei einem 14-tägigen Wechsel kostet das Ganze 22 Mark pro Monat. Nur überziehen müssen die Kunden ihre Betten noch selber - „das würde zu sehr in die Intimsphäre gehen“, meint Grabert.
Das Schippchen zuviel Das Bettwäsche-Leasing-Konzept ist nicht nur zeitsparend - auch unter ökologischen Gesichtspunkten kann ein Wäschereibetrieb effizienter arbeiten als ein privater Haushalt. „Zuhause achten viele nicht so sehr auf die Waschmittelmenge, da geht schon mal ein Schippchen zuviel mit rein. Wir sind hingegen an strenge Auflagen gebunden und werden regelmäßig kontrolliert“, erläutert Susanne Grabert. Die Wäscherei verfügt, genau wie der klassische Waschsalon, über eine leistungsfähige Technik, die durch ihre kontinuierliche Nutzung langlebiger ist, als die eigene Waschmaschine.
Nachhaltige Produktnutzung - eine Ökodomäne? Bettwäsche-Leasing ist nur ein Beispiel für nachhaltige Produktnutzung. Ob Waschsalon, Carsharing, Vermietung von Kinderwiegen oder Reparaturservices, das Angebot ist vielfältig. Trotzdem mangelt es an Akzeptanz der Verbraucher für ökologische Produkte und Dienstleistungen. Sie werden mit Verzicht und Verdruss assoziiert statt mit privater Entlastung oder logisch sinnvollem Konsum. Warum soll man eine alte Waschmaschine reparieren oder mit neuen Spülprogrammen auf den aktuellen Stand bringen lassen - wie etwa Miele dies anbietet -, wenn für einen vergleichsweise geringen Aufpreis bereits ein neues Gerät zu bekommen ist? Und warum sollte man ein Auto teilen, wenn günstigere Gebrauchtfahrzeuge auf dem Markt sind, die dann ohne große Organisation jederzeit nutzbar sind? Nachhaltiger Konsum wird bislang noch als Ökodomäne angesehen und weniger mit Lebenslust oder Erleichterung des Alltags in Verbindung gebracht. Als Statussymbole und Prestigeobjekte haben Produkte nach wie vor nicht bloß einen funktionellen Wert. Sie sind als „Symbol of Identity“ Teil eines komplexen Beziehungs- und Bedeutungssystems.
Allianz für umweltgerechten Konsum gegründet Daran will die „Allianz für den dauerhaft umweltgerechten Konsum in Deutschland“ etwas ändern. 70 Vertreter verschiedener gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Institutionen, darunter die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) klagen mehr umweltfreundliche Alternativen zu herkömmlichen Produkten ein und fordern eine gezielte Information und Beratung der Konsumenten. Nur so könne nach Ansicht der Initiative langfristig eine Änderung des Verhaltens hin zu neuen ökologischen Konsumstilen und Wohlstandsorientierungen eintreten. Dass dies schon lange auf sich warten lässt, zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahre 1997. Demnach sind mindestens 30 bis 40 Prozent aller Umweltprobleme direkt oder indirekt auf die herrschenden Muster des Konsumverhaltens zurückzuführen. In den letzten vier Jahren hat sich daran nicht viel geändert: Nach einer aktuellen Untersuchung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) wird immer noch lieber neu gekauft, statt repariert, gemietet oder geteilt.
Comeback für Second Hand Dabei gibt es zahlreiche Unternehmen, die sich bei umweltgerechtem Konsum hervortun. So besteht etwa in Hockenheim die Möglichkeit, gebrauchte Dachsteine zur Wiederverwertung an die Herstellerfirma zurückzugeben, in Marburg werden defekte Elektroaltgeräte repariert und im „Comeback“-Laden verkauft, in Ried im Innkreis können Babywiegen kurz- oder langzeitgemietet werden, in Berlin gibt es für 80 Mark im Monat sogar einen PC plus Service, in Heidelberg können Heimwerkergeräte und -maschinen gemietet werden. Einzige Schwierigkeit: Es fehlt an ganzheitlichen, flächendeckenden Angeboten. Dem Verbraucher mangelt es noch immer an vielseitigen Möglichkeiten in der eigenen Umgebung, die eine Änderung des Konsumverhaltens attraktiv machen und gut erreichbar sind.
Laut IÖW-Studie sind 90 Prozent der befragten Verbraucher bereit, ihre alten oder kaputten Geräte lieber reparieren zu lassen, wenn dies unkomplizierter und günstiger wäre. Das zeigt: Für eine Veränderung der herkömmlichen Nutzungsmuster muss noch viel getan werden. Um die Lebenszeiten von Produkten zu verlängern, könnte auch die Politik aktiv werden, etwa durch Förderung von kooperativen Projekten zwischen Herstellern und Forschungseinrichtungen, Ausschreibung von Ideenwettbewerben, Preise für besonders langlebige Produkte, die von den Herstellern offensiv zu Marketingzwecken eingesetzt werden.
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© 2006 Britta Müller |
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