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Erschüttert über Gewaltaktionen

 

Nazif Telek aus Hilden ist Kinderbuchautor / Ein Kurde mit deutschem Pass:

 

Erschienen in Rheinische Post (RP), 19. Februar 1999

 

Von Britta Müller

 

Erkrath. „Wie bitte?“, rief sie entrüstet. „Du bist traurig wegen so einem Ausländer? Davon will ich nichts mehr hören. Such dir endlich einen deutschen Freund, hast du mich verstanden?“, so Martins Mutter, die die Freundschaft ihres Sohnes zu einem Ausländer nicht akzeptieren will. „Martin und Misto“ heißt das Kinderbuch, in dem dieser Konflikt spielt.

 

Nazif Telek, der kurdische Autor der Geschichte um den deutschen Jungen Martin und seinen kurdischen Freund Misto, stellte gestern sein aktuelles Werk in der Hochdahler Buchhandlung Weber vor. Telek ist politischer Flüchtling aus der Türkei und lebt bereits seit 1980 in der Bundesrepublik. Er ist als freier Journalist und Schriftsteller tätig. „Martin und Misto - die Geschichte einer Freundschaft“ ist bereits das fünfte Kinderbuch des Hildeners - die er alle zweisprachig verfasst hat. Das Thema Völkerverständigung und Solidarität wird in einer für Kinder verständlichen Weise aufgegriffen und erklärt.

 

Eine wahre Begebenheit

Nach einem Umzug lernt Martin im Kindergarten seinen neuen Freund Misto kennen und zwischen den beiden entsteht eine tiefe Freundschaft. Selbst das Versprechen der Mutter, ihm das blaue Fahrrad mit dem Büffelhorn-Lenker zu schenken, kann den kleinen Jungen nicht davon überzeugen, seinen kurdischen Freund aufzugeben. Im Gegenteil, er findet sogar Mittel und Wege, seine Mutter schließlich von der Liebenswürdigkeit Mistos zu überzeugen.

 

„Die Geschichte von Martin und Misto beruht auf einer wahren Begebenheit und ist nicht nur für die Kleinen geschrieben worden.“, erzählt Nazif Telek im Gespräch mit der RP. Der 1957 in der kurdischen Stadt Bidlis geborene Autor arbeitet bis 1991 als Erzieher in einem Solinger Kindergarten und hat die Schwierigkeiten ausländischer Kinder hautnah miterlebt.

 

„Gerade die Kinder sind am wenigstens voreingenommen.“, meint auch Sara Willwerth von der Buchhandlung Weber. „Das Buch von Herrn Telek ist auch aktuell wieder ein Beispiel dafür, dass die Feder hoffentlich mächtiger sein wird als das Schwert“, ergänzt sie.

 

Nicht jeder Kurde ist radikal

Nazif Telek, seit 1991 deutscher Staatsbürger, ist erschüttert über die Gewaltaktionen seiner Landsleute. „Wir müssen sicherlich darauf aufmerksam machen, dass ein 40-Millionen-Volk keinen eigenen Staat besitzt. Doch mit Gewalt ist nichts Positives zu erreichen.“, betont der 42-jährige. „Außerdem sollte die Öffentlichkeit genauer darüber informiert werden, dass nicht jeder Kurde automatisch ein radikaler PKK-Aktivist ist“, sagt der Schriftsteller. „Meine ganze Mühe mit völkerrechtlicher Aufklärung erscheint mir manchmal sinnlos, wenn ich die Meldungen höre“, erzählt Nazif Telek.

 

Dennoch engagiert der kurdische Autor sich weiter. Im März wird bereits sein nächstes Buch erscheinen: „Ihr Lieben in Bidlis - Briefe nach Kurdistan“.

 

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© 2006 Britta Müller