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„Lego-Baukasten“ für große Bauherren
Viel Arbeit nach dem Job / Preiswert zum Eigenheim
Erschienen in Rheinische Post (RP), 05. März 1999
Von Britta Müller
Wülfrath. Bei einem der derzeit sechs Rohbauhäuser an der Wülfrather Lindenstraße regnet es noch rein - es hat noch kein Dach. Stolzer Besitzer ist „Nachzügler“ Dieter Häcker mitsamt Familie. „Wir haben aus der Zeitung erst spät von dem Eigenbauprojekt erfahren und darum auch sechs Wochen später angefangen. Durch die Witterung der letzten Wochen sind wir mit unserem Dach noch ein bisschen im Verzug“, erzählt der Hochdahler Messingenieur.
Vor zwei Wochen wurde Richtfest gefeiert an der Lindenstraße beim Projekt, das die „Süddeutsche Eigenhilfe (SEH)“ aus Freiburg auf die Schienen setzte. Die Grundstückbesitzer packen beim Bau ihrer zukünftigen Häuser kräftig mit an. Lediglich die Bodenplatte und die Kellerdecke sind professionell gegossen, von da an wurde jeder Stein durch die Bauherren selbst gemauert. „Man kann sich das vorstellen, wie ein Lego-Baukasten für Große“, erklärt Dieter Häcker die Vorgehensweise. „Man bekommt jede Wand einzeln auf einer Palette geliefert, mit einem genauen Plan dabei. Und dann wird gemauert.“
Politik gab den Anstoß Mit ihren Fragen und Schwierigkeiten konnten sich die Häuslebauer jederzeit an das betreuende Fachpersonal der SEH wenden. Diese sorgte auch für einen kostengünstigen Zentraleinkauf der Materialien, so dass mit der „Maßnahme Eigenbau“ im Oktober 1998 begonnen werden konnte. Die Idee kam von den Wülfrather Sozialdemokraten, die nach einer Möglichkeit für kostengünstiges Bauen suchten. Wenn der Bau zum größten Teil per Eigeninitiative durchgeführt wird, können die Bauherren bis zu 100.000 Mark sparen.
Dieter Häcker, Vater von zwei Kindern, hat sich den Einstieg ins Projekt reiflich überlegt. „Man muss bedenken, dass man sehr viel Zeit opfert. Nach der Arbeit auf den Bau, das ist natürlich auch eine Belastung für die Familie." Etwa drei Stunden täglich verbrachte der Familienvater nach dem Job damit, sein Häuschen zu bauen. „Meine Frau ist hauptsächlich zu Hause bei den Kindern geblieben“, erzählt Dieter Häcker.
Zurück nach Wülfrath Jetzt wartet er darauf, dass auch sein Dach bald von einem Dachdecker gezimmert wird, damit es weitergehen kann. „Mittlerweile habe ich mir schon eine Tauchpumpe angeschafft. Ich war es leid, das Wasser ständig aus dem Keller zu schippen. Aber damit läuft es ganz gut.“ Mit dem Bau des eigenen Hauses an der Lindenstraße hat sich Familie Häcker einen langjährigen Wunsch erfüllt. Zum einen den vom eigenen Heim, zum anderen wollte Frau Häcker aus Erkrath wieder in ihre Heimatstadt Wülfrath zurück.
Trotz Verzug begingen auch die Häckers ihr Richtfest gemeinsam mit den anderen fünf Bauherrenfamilien. Damit Brot und Salz nie ausgehen mögen, folgte man auch hier der Tradition und reichte den Besuchern Salzbrezeln und eine „Schnitte Brot“.
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© 2006 Britta Müller |
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